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Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Leben und Werk, Hannah Arendt, Serie Piper, seite 124

ERRERA: Was hinterlassen wir dem einundzwanzigsten Jahrhundert? Drei Viertel des zwanzigsten sind ja bereits vorbei…

ARENDT: Weiss ich nicht. Ich habe keine Ahnung. Ich bin ziemlich sicher, dass die moderne Kunst, die jetzt an einem Tiefpunkt angelangt ist…Doch nach einer Zeit solch aussergewöhnlicher Kreativität, wie wir sie in den ersten vierzig Jahren vor allem natürlich in Frankreich erlebt haben, ist das nur natürlich. Eine gewisse Erschöpfung tritt ein. – Also das werden wir hinterlassen. Diese ganze Ära, dieses zwanzigste Jahrhundert wird wahrscheinlich ein grosses Jahrhundert sein, in der Geschichte, aber nicht in der Politik.

ERRERA: Und Amerika?

ARENDT: Nein. Nein, nein, nein…

ERRERA: Warum?

ARENDT: Wissen Sie, dies land…Sie brauchen ein gewisses Mass an Tradition.

ERRERA: Gibt es keine Tradition der bildenden Kunst in Amerika?

ARENDT: Nein, nein, keine grosse. Eine grosse in der Dichtkunst, der Lyrik, Romanliteratur, Prosa und so weiter. Doch was man als alles überragend erwähnen muss, ist die Architektur. Die Steibauten sind wie zu Stein gewordene Nomadenzelte.

(Drupal 09.10.2007)

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